Glossar

ästhetisch

Der Begriff wird in der Fachterminologie nicht mehr als Wert-, sondern als Funktionsbegriff verwendet im Sinne von „die Wahrnehmung betreffend“.

 
Bedeutungsproportion

Lukas, 6;4 Jahre: Torwart in seinem Tor
Erscheint einem Kind eine Figur oder ein Gegenstand besonders bedeutsam, zeichnet sie die Figur, bzw. den Gegenstand besonders groß im Vergleich zu den anderen Darstellungen im Bild. Das kann auch Details betreffen. So werden manchmal Hände besonders groß gezeichnet, wenn die betreffende Fi-gur mit den Händen etwas Wichtiges tut.
In der älteren Fachliteratur wird etwas irreführend der Begriff Bedeutungsperspektive verwendet.

Eindrucksdominante
Ist ein KInd von einem Gegenstand/einer Figur, bzw. von dem Detail eines Gegenstands/einer Figur aufgrund eines Erlebnisses oder einer überraschenden neuen Erkenntnis besonders beeindruckt, wird der betreffende Gegenstand bzw. die betreffende Figur in seinen Ausmaßen im Vergleich zu den anderen Bildelement übertrieben groß dargestellt. Dieses Phänomen wurde früher als Bedeutungsperspektive bezeichnet. Heute wird dafür der Begriff der Bedeutungsproportion verwendet.

Füllungstendenz

In der Weiterentwicklung zum Kreis verdichten sich die Striche des Kreiskrtzels in der Randzone. Was früher wie ein Strich-Knäuel aussah, erweckt jetzt den Eindruck eines Kreises, den die Kinder noch nicht als geometrische Form erfassen, sondern als Raum. Dieser wird mit einem Schließungskritzel geschlossen. Weiterhin macht sich das Bedürfnis bemerkbar, den Raum zu füllen.

Die Füllungstendenz macht sich auch im Übergang vom Kopffüßler zur gegliederten Vollform der menschlichen Gestalt im Zwischenraum der Füße bemerkbar.


Kritzelzeichen



Spurkritzeln

Die ersten Striche, die das Kind mit Stiften zufällig erzielt. Die Strichführung ist meist behutsam, glegentlich spontan heftig.

Die folgenden Begriffe stammen von Hans Meyers, der die Entwicklung über einzelne Stufen von der Grobmotorik bis zur Feinmotorik darlegt.1957, Seite 45 ff. Damit erfasst Meyers die Kritzelzeichen, die allmählich dem motorischen Gedächtnis eingeprägt werden und somit automatisch verfügbar sind. Was bislang noch wenig erfasst ist, ist das eher zufällige Kritzeln (Spurkritzeln), das sich jeder Wiederholung, also einem Lernprozess entzieht.


Mädchen, 1;2 Jahre

Hiebkritzel. Die Bewegung wird aus dem Schultergelenk gesteuert. (Grobmotorik) Das Kind schlägt mit dem Stift auf das Papier. (Grobmotorik)


Mädchen, 2;2 Jahre
Schwing- oder Schwungkritzel. Die Bewegung wird vom Ellenbogengelenk aus gesteuert. (Grobmotorik)


Mädchen, 3;3 Jahre
Kreiskritzel. Die Bewegung wird teils ausschließlich aus dem Ellenbogengelenk, teils aus Ellenbogengelenk und Handgelenk und schließlich vor allem aus dem Handgelenk gesteuert. (Grobmotorik und Übergang zur Feinmotorik)


Tim, 2;2 Jahre
„verschieden geformte Kritzel", die keinem der oben genannten Kritzelzeichen zugeordnet werden können, nennt Hans Meyers jene, die in der Feinmotorik entstehen. Die Zuordnung dieser Kritzelzeichen allein zur Feinmotorik ist jedoch fragwürdig, da bereits in der grobmotorischen Phase vergleichbare Kritzelformen nachgewiesen werden können.


Anita, 1;10 Jahre
„sinnunterlegtes Kritzeln" sind die Kritzelzeichen, welchen die Kinder nachträglich eine willkürliche inhaltliche Bedeutung zufügen, willkürlich deshalb, weil keine Analogie zwischen Bildzeichen und genanntem Begriff hergestellt werden kann.


Florienne, 3;9 Jahre
Schreibkritzel. Kinder beobachten Erwachsene beim Schreiben und imitieren deren Schreibbewegung. Formal unterscheidet sich das Schreibkritzeln von den oben genannten dadurch, dass es in einem durchlaufenden Kritzelband von links nach rechts und umgekehrt sozusagen auf eine imaginäre Linie bezogen ist.


Kritzelzeichen-Funktionen

Aktionskritzel

Solange die Kinder die Bewegungsdarstellung noch nicht beherrschen, verwenden sie für Vorgänge, Handlungen und Bewegungen die sogenannten Aktionskritzel. Bei manchen Kindern wird dies bis weit in das Grundschulalter beibehalten.

Schließungskritzel

Um zu verdeutlichen, dass Formen geschlossen sind, werden selbst geschlossene Formen wie meistens bei den späten Kreiskritzeln, die aufgrund der freigelassenen Mitte als Raum empfunden werden. noch zusätzlich Kritzel angefügt mit der Funktion des Abschließens.

Junge, 3;2 Jahre

 
Leitqualität des Erlebens

Ist ein Kind von einem bestimmten Erlebnis beeindruckt bzw. fasziniert, so wird der für das Erlebnis dominierende Aspekt besonders betont, d. h. andere Momente des Erlebnisses werden kaum beachtet und nicht selten in der Zeichnung gänzlich ausgeblendet.

 

Menschendarstellung

Kopffüßler: Die Bezeichnung Kopffüßler ist insofern leicht irreführend, als mit dem Kreis nicht nur der Kopf, sondern Kopf und Körper gemeint sind. (Kopf-Rumpf-Einheit) „Zu welchem Zeitpunkt und von welchem Autor der Begriff „Kopffüßler“ eingeführt wurde, ist nicht bekannt… Der Begriff „Kopffüßler“ oder „Kopffüßer“ – im anderen Sprachen „tadpole“, „homme tétard“ oder einfach „tétard“, „cephalopod“ – scheint keine Wortschöpfung der Kinderzeichnungsforschung zu sein, sondern zoologischer und paläontologischer Nomenklatur zu entstammen, wo er von weiteren Metazoen, wie z. B. Gliederfüßern, Kahnfüßern, Armfüßern usw. unterschieden wird.“ Heidi Schoenmackers. 1996, S. 46

Sonja, 4;0 Jahre, Kopffüßler
Gegliederte Figur: Bevor die endgültige Vollform erreicht wird, entstehen sehr unterschiedliche Formen, bei denen der Kopf noch größer ist als der Rumpf.
   
Lena, 4;11 Jahre                   Anne Christina, 4;5 Jahre                                                 Peter, 4;6 Jahre. Nikolaus, ein Bein it noch als Strich wiedergegeben.
Gegliederte Vollform: Dese Form ist erreicht, wenn der Rumpf mindesten so groß wie der Kopf gezeichnet wird. Arme und Beine besitzen bereits eine Breitenausdehnung, d. h. sie werden nicht mehr nur mit einfachen Strichen dargestellt.
                  
Einfache Form der gegliederten Vollform.      Differenzierte Form der gegliederten Vollform
Mädchen, 4;5 Jahre: Hausmeister
                  Elinor, 5;7 Jahre: die kleine Zeichnerin als Sängerin

 

Motivation

Intrinsische Motivation: Anlass, der aus eigenem, inneren Antrieb heraus begründet ist.

extrinsische Motivation:Anlass, der durch eine andere Person vorgegeben wird wie ein Auftrag, oder durch eine Situation erforderlich wird.

emotionaler Anlass:ein Erlebnis, eine Erfahrung oder eine Situation rufen ein Gefühl wie Freude, Trauer, Wut, Zuneigung usw. hervor, das in einer Zeichnung ausgedrückt wird. Die Kinder artikulieren ihre Gefühle und lernen damit, mit ihren Gefühlen umzugehen.

sachlicher Anlass: ein Gegenstand oder ein Sachverhalt wecken das Interesse der Kinder, die mit der Zeichnung eine möglichst objektive Darstellung anstreben. Jüngere Kinder erfassen dabei oft nur einen einzelnen oder nur wenige sachliche Aspekte des Objektes bzw. der Situation. (siehe Akkommadation und Assimisation!) Mit solchen Zeichnungen setzen sich Kinder mit der erfahrbaren Wirklichkeit auseinander, eignen sich in der Form eines frühen analytischen Denkens Wirklichkeit sozusagen gedanklich an.

materialer Anlass: amorphes Material wie Sand, Ton, gerissenes Papier, Stoffreste oder beliebige Fundstücke wie verbrauchtes Verpackungsmaterial, verwelkte Blätter, aber auch Klebstoff und Schere reizen die Kinder zu einem experimentellem Umgang, d. h. zu einem offenen Handlungsprozess, ohne dass die Absicht besteht, etwas Bestimmtes darzustellen. Beim materialen Anlass spielt auch der haptische Reiz, der durch das Material angesprochen wird, eine wichtige Rolle.

motorischer Anlass: das Bedürfnis und die Lust, Bewegungen auszukosten, bestimmt vor allem die Kritzelphase.

 

Orthoskopische Darstellung

Die Gegenstände werden in ihrer anschaulichsten Ansicht wiedergegeben. So kommt es vor, dass Seiten-, Vorder- und Aufsicht miteinander dann vermischt werden, wenn die einzelnen Teile des Motivs in jeweils einer anderen Ansicht am anschaulichsten erscheinen.

Pantomimische Bewegungsdarstellung/symbolische Motorik: Sonderform des Aktionszeichen
Es handelt sich dabei um einen pantomimischen Zeichenakt (Mühle, 1971 , Seite 72). Das heißt: das Kind vollzieht eine reale Bewegung in der Zeichnung nach. So wird z. B. das Stechen einer Mücke nachgeahmt, indem das Kind mit einem Stift in das Blatt Papier sticht. "Als Beobachter hat man in solchen Fällen deutlich den Eindruck, dass hier die Zeichenbewegung Darstellungsfunktion hat." Martha Muchow, 1926, S. 94                                                                                      
Georg Schliebe hat dafür den Begriff der motorischen Symbolik eingeführt.  Mühle weist m. E. mit Recht auf dessen Missverständlichkeit hin. (Mühle, 1971, S.72) Denn inzwischen hat die Semiologie den Begriff der Symbolik in einer präzisen Weise definiert, nach welcher der von Schliebe verwendete Begriff  den Sachverhalt nicht erfasst. Weiterhin wird In der Psychotherapie  motorischen Symbolik in der Bedeutung einer negativen Magie verwendet, die ein Ereignis oder eine Handlung ungeschehen machen will.

 

Profilwende

bezeichnet die Entwicklung der Gesichtsdarstellung vom En Face zum Profil. Die Übergangsphase ist von dem sogenannten gemischten Profil gekennzeichnet. Man unterscheidet:

-          einfacher Volltyp, bei welchem alle Merkmale des Gesichts in der anatomischen Zahl vorhanden sind, aber teils zum Profil tendieren, bzw. bereits die endgültige Profilstelle einnehmen, während die anderen Teile noch dem En-Face verhaftet sind;

-          doppelter Volltyp, bei dem ein Merkmal zweifach auftritt;

-          einfacher Auslassungstyp, bei welchem ein Merkmal fehlt;

-          doppelter Auslassungstyp, bei welchem zwei Merkmale fehlen.

-          Das Zentralauge, bei welchem sich meist in der En-Face-Darstellung aber auch bei Mischformen das Auge auf der Mittelachse liegt.

Dazu: Günther Mühle, 1975, Seite 63 ff                                          

 

Raumdarstellung

Streubild
Eine nur annähernde Raumkonzeption ist nicht zu erkennen. Die Figuren und Gegenstände werden willkürlich auf der Bildfläche verteilt.

Standlinienbild
Figuren und Gegenstände werden auf den unteren Blattrand gestellt. Der Himmel wird an den oberen Rand gesetzt.

Streifenbild
Der untere Rand wird mit einem Streifen versehen, wobei das Grün Gras und das Braun Erde bedeutet. Im Verlauf der Entwicklung erweitert sich der Streifen zunehmend nach oben. Auch hier wird der Himmel am oberen Blattrand angebracht.

Mehrstreifenbild
Zwei oder mehrere Streifen gliedern das Blatt. Diese relativ seltene Raumdarstellung verwenden Kinder, wenn die Breite des Blattformats nicht genügend Platz bietet.

Standflächenbild
Das gesamte Blattformat bildet die Standfläche, auf der Figuren und Gegenstände Platz finden. Der Himmel fehlt.

Landkartenbild
Sonderform des Standflächenbildes. Straßen, Eisenbahnschienen und Flüsse werden wie auf einer Landkarte in der Fläche ausgebreitet. Stehen die Gegenstände im rechten Winkel zur Standfläche und zeigen sie dementsprechend im Gesamtbild in verschiedene Richtungen, liegt hier die Aufrichtungstendenz vor. Dafür wird in der Fachliteratur auch der Begriff des Klappbildes bzw. der Umklappung verwendet. Zeigen dagegen alle Figuren und Gegenstände eine senkrechte Ausrichtung nachoben im Format, liegt eine Gesamtaufrichtung vor.

Mischform von Standlinienbild/Streifenbild und Standflächenbild
Es gibt Motive, die sich am besten aus der Ansicht darstellen lassen, andere sind am anschaulichsten aus der Seitenansicht aus zu erfassen. Treten bei einer Zeichnung solche gegensätzliche Motive auf, wählen Kinder in der Regel die Mischform.


Zur Raumdarstellung:
Günther Mühle, 1975, Seite 92 ff. Hans Meyers. 1960. Unter dem übergeordneten Kapitel „Gestalt des Raumes“, Seite 130, vor allem das Kapitel 2. „ Standflächenbild und Standlinienbild“, Seite 133 ff. und das Kapitel 3. „Raumgestaltengemisch“, Seite 139 ff

 

Richtungen

R-Prinzip = das Prinzip der radikalen Richtungsunterscheidung  

Äste am Baumstamm, Arme an der menschlichen Figur, der Kamin auf dem Dach usw. stehen in der frühen Zeichenphase im rechten Winkel zur betreffenden Grundlinie. „Der rechte Winkel ist eines der ersten und primitivsten Zeichenelemente für die Darstellung des Zueinanders von Gestaltgliedern.“ Günther Mühle, 1975, S. 90

Richtungsdifferenzierung

Die Abweichung von der Hauptrichtung wird mit einem schrägen Winkel gezeichnet.

Richtungszusammenhang

Organisch erscheinender Übergang z. B. von Körper zu Armen und Beinen, von Stamm zu Ästen. Diese Lösung wird erst mit dem Jugendalter erreicht, macht sich aber bereits in der späten Kindheit bemerkbar.


Rundformen

„Runde Formen tauchen nach und nach ... auf. Zunächst sind es Linien, die im Kreis herumführen – Spuren der entsprechenden Armbewegung. Sie zeigen das Glätten oder Vereinfachen von Kurven, das eine gewisse motorische Übung immer mit sich bringt. Jede Tätigkeit mit den Händen gelangt nach einiger Zeit zu fließenden Bewegungen von einfacher Form... Die Hebelanordnung der menschlichen Glieder erleichtert runde Bewegungen. Der Arm dreht sich um das Schultergelenk, und feinere Drehbewegungen werden vom Ellbogen, dem Handgelenk und den Fingern besorgt. Die ersten Kreisbewegungen verraten also einen Organisationsprozess der Motorik nach dem Prinzip der Einfachheit." Rudolf Arnheim, 2000, Seite 171


Schema, Schemazeichen

Haben die Kinder eine endgültige Gestaltung eines Motivs, sei es für Mensch, Haus, Baum, usw. entwickelt, verwenden sie diese ständig, bis sie automatisch verfügbar ist. Das heißt, die Kinder müssen überhaupt nicht mehr nachdenken, wie dieses Motiv gezeichnet werden muss. Um sich dieses Phänomen zu veranschaulichen, braucht man nur einmal einen beliebigen Buchstaben in die Luft zu schreiben. Dass über die Form des Buchstabens dabei nicht nachgedacht wird, kennzeichnet die automatische Verfügbarkeit.
Indiz für den Prozess der Automatisierung sind Vereinfachung der Form, Rhythmisierung und die Dominanz von runden Formen, vor allem des Kreises, auch wenn in der endgültigen Form des automatisierten Zeichens die Fülle der runden Formen wieder abnimmt.  Die Gestalt eines automatisierten Schemazeichens ist gekennzeichnet durch seine Einfachheit.  Es sagt über seine Figur bzw. seinen Gegenstand nur Allgemeines aus, z. B. nur Mensch und nicht Mann oder Frau. Zur genaueren Kennzeichnung ist ein Attribut erforderlich. Beispiel: Schemazeichen + Krone = König.
Wenn Kinder gebeten werden, ein bestimmtes Motiv zu zeichnen, wenn also keine intrinsische Motivation vorliegt, verwenden sie in der Regel automatische Schemazeichen, welche wegen der Einfachheit oft als dürftig empfunden werden. Zeigen sich die Erwachsenen enttäuscht, sind Kinder in der Regel erstaunt, haben sie doch gezeichnet, was sie können.
In der Fachliteratur wird oft zwischen Schema und automatisierten Schema nicht unterschieden.

Mädchen, ca. 3 Jahre: Kopffüßler auf dem Weg zum automatisierten Schema. Symptom: Dominanz der Rundformen/Kreise

 

Schließungstendenz

Sie taucht vor allem im Übergang vom Kopffüßler zur gegliederten Vollform der menschlichen Gestalt auf. Der der offene Raum zwischen den Beinen wird mit einem Strich geschlossen. Die Schließungstendenz taucht phasenweise auf und betrifft auch andere Motive. „Solange sie (die Lücke, Anm. E. B.) noch Störfaktor ist, drängt alles auf ihre Beseitigung. Das Kind unterliegt mehr oder minder regelmäßig einem Zwang, Zwischenräume, die es als „Lücke“ erlebt, zu schließen.“ Mühle, S. 34

 

Sensomotorik

Zusammenwirken von Bewegung und den Wahrnehmungssinnen wie sehen, hören, tasten usw.


Simultanbild

Befindet sich auf ein und demselben Bild eine bestimmte Person zwei- oder mehrmals, dann wird ein Vorgang beschrieben. Der zeitliche Ablauf erfolgt demnach in einem unverändert gleich bleibenden Raum, d. h. der Verlauf des Geschehens wird in zeitlichen Phasen durch eine Figur im Bild gegliedert.

Typologie: individuelle Gestaltungsanlagen

malerisch (flächenhaft, fleckhaft)  zeichnerisch (Linear, struktiv)
Florian, ca. 5;6 Jahre: rote Blüte               Rafael, 5;2 Jahre: Blume im Regen
   
 Elena, 5;4 Jahre  Dominik, 6 Jahre

Die individuellen Gestaltungen der Kinder lassen sich bestimmten typenmäßigen Veranlagungen zuordnen, unter denen die zwei extremen Pole des linea-ren und malerischen Typs relativ häufig sind. (Begrifflichkeit in: Heinrich Wölfflin, 1915)
Der malerische Typ denkt in Flecken und Flächen, der lineare in Formen. Der Prozess beim malerischen Typ ist offen. Erste Formen besitzen für ihn nur vorläu-figen Charakter. Auf Konturlinien nimmt er kaum Rücksicht. Der lineare Typ verändert die einmal gezeichnete Form nur in Ausnahmefällen. Die Bildkonzeption steht von Anfang fest und erfährt im Verlauf des Gestaltungsprozesses lediglich Ausschmückung und Binnendifferenzierung, aber keine grundsätzliche Veränderung.
Bei dem Gebrauch der ebenfalls geläufigen Begriffe ‚Formseher' und ‚Farbseher' muss beachtet werden das die Typenzuordnung nicht auf die Kunstgattungen bezogen sind. Denn bei der Malerei kommt der lineare Typ insofern zur Geltung, als er mehr auf die Form als auf die Farbe achtet. Für den Malerischen gilt dies ebenso für die Zeichnung. Sein Augenmerk ist hier primär auf die Flächen, Flecken und das Helldunkel gerichtet.


Literatur

Arnheim, Rudolf: Kunst und Sehen – Eine Psychologie des schöpferischen Auges. Ins Deutsche übertragen von Hans Hermann. Walter de Gruyter GmbH & Co, Berlin, New York, 3. unveränderte Auflage 2000

Arnheim, Rudolf: Zu Anfang das Kind. In: Jonathan Fineberg (Hrsg.): Kinderzeichnung und die Kunst des 20 Jahrhunderts, Verlag Gerd Hatje, Stuttgart 1995

Denker, Johann: Kunstunterricht in der Grundschule. Verlag Isensee, Oldenburg 1969

Meyers, Hans: Die Welt der kindlichen Bildnerei. Luther-Verlag, Witten 1957, 5. unveränderte Auflage 1973

Meyers, Hans: Stilkunde der naiven Kunst. Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1960

Muchow, Martha: Kindespsychologische Studien im KIndergarten. Kindergarten 67, S.94, zit. in: Günther Mühle, 1975, S. 73

Mühle, Günther: Entwicklungspsychologie des zeichnerischen Gestaltens – Grundlagen, Formen und Wege in der Kinderzeichnung, Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York 1975, vierte Auflage

Richter, Hans-Günther: Die Kinderzeichnung – Entwicklung, Interpretation, Ästhetik. Schwann Verlag, Düsseldorf1987

Schliebe, Georg: Erlebnismotorik und zeichnerischer (physiognomischer) Ausdruck bei Kindern und Jugendlichen, Zeitschrift für Kinderforschung 43, 1934

Schoenmackers, Heidi: Die Menschenzeichnung dreijähriger Kinder. Peter Lang, Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt a. M., Berlin1996

Heinrich Wölfflin, Kunstgeschichtliche Grundbegriffe, München 1915

 

 

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