April 2016

April 01    
Anne, 2;9 Jahre


Wie die Zeichnung des Gesichts entsteht

Nahezu alle Kinder empfinden das späte Kreiskritzel mit verdichtetem Außen-ring als Raum und verspüren dabei ein starkes Bedürfnis, diesen Raum zu füllen. So zeichnet Anne konzentrische Kreise in die Mitte des Kreiskritzels, ohne dass damit auch nur die geringste Absicht nach einer gegenständlichen Darstellung besteht.

April 02 
Tim, 2;2 Jahre

Tim füllt den leeren Raum in der Mitte seines ovalförmigen Kreiskritzels mit einem Kreuz und zwei Punkten jeweils neben und kurz oberhalb der waagrechten Kreuzlinie. Ob bereits eine Gesichtsdarstellung angestrebt war, ist nicht mehr festzustellen. In seinem Alter dürfte es sich jedoch um dasselbe Phänomen wie bei Anne handeln. Der einzige kleine Unterschied besteht darin, dass der Be-trachter in diesem gegenstandsfreien Gebilde ein Gesicht zu erkennen meint.

April 03a  April 03b

Mädchen, 3;5 Jahre                  Frederik, 2;6 Jahre

Das Mädchen im Alter von 3; 5 Jahren zeichnet vom äußeren Ring des Kreiskrit-zels aus in die Mitte eine Spirale, die mit einem Schlusskritzel endet. Es handelt sich also hierbei nicht, wie man zunächst annehmen könnte, um den Mund. Im Gegensatz dazu stellen die beiden kleinen ovalen Kritzelzeichen bereits die Augen dar und ein sehr kleiner Strich zwischen diesen die Nase.
Frederik befindet sich, obwohl er beinahe ein ganzes Jahr jünger ist, etwa auf dem vergleichbaren Entwicklungsstand wie das Mädchen mit 3; 5 Jahren. Er beabsichtigt von vornherein, ein Gesicht zu zeichnen. Wie bei der Zeichnung des Mädchens zeichnet er Augen und Nase. Der Mund fehlt noch, auch wenn ein innerer Strich, der zum Kreiskritzel gehört, als solcher wahrgenommen wird.

April 04a  April 05
Laurin, ca. 3 Jahre

Bei Laurins Gesichtsformen kann im eigentlichen Sinn nicht mehr von einem Kritzeln gesprochen werden. Die Strichführung ist jedoch noch ausgesprochen unsicher, so dass eher von einer Annäherung an eine geschlossene Form als von der Fähigkeit gesprochen werden kann, eine solche Form klar zu erfassen. Die Physiognomie besteht im linken Bildbeispiel aus Kritzelzeichen für Mund und Auge, wobei der Kringel über dem Mund im Vergleich mit der zweiten Zeich-nung von Laurin eher als Auge denn als Nase zu deuten ist.
In der nur kurze Zeit später entstandenen Gesichtszeichnung sind Augen und Mund nicht mehr als Kritzel sondern mit einer Zeichnung wieder gegeben. Die Umrisszeichnung zeigt dagegen immer noch eine Unsicherheit dem Erfassen der Kopfform.


April 06a  April 06b  April 06c
Leonie, 2;7 Jahre:  Emilia, 2;6 Jahre                     Anne, 2;11 Jahre
Freundin Cilly

Leonie, Emilia und Anne kritzeln nicht mehr, sondern zeichnen den Kopf mit ei-ner dem Oval angenäherten, geschlossenen Form. Während Leonie mit einem Kritzelzeichen Haare wiedergibt, übernimmt der kleine Haken bei Annes Zeich-nung die Funktion eines Schließungszeichens.
Auf allen drei Zeichnungen sind die Augen mehr oder weniger deutlich zu er-kennen, wobei deren Wiedergabe bei Leonie noch als Kritzel zu bezeichnen ist. Bei Emilia fehlt noch die Nase. Bei Anne scheint sie zweimal vorhanden zu sein. Jedoch handelt es sich bei dem oberen Strich nicht um die Nase, sondern um ein Haar, das stellvertretend für das gesamte Haupthaar steht. Bei einer ihrer ersten Darstellungen eines Gesichtes beanstandete die Mutter, dass die Haare fehlen würden. Seitdem vergisst Anne nur selten, in ein Gesicht, ein, zwei oder drei Haare zu zeichnen.

April 07
Nora, 3;1 Jahre

Schließlich finden alle Kinder zu einer Gesichtsdarstellung, die zeichenhaft knapp die wesentlichen Details eines Gesichts wiedergeben. Vor allem entde-cken sie diese Lösung von allein, ohne auf die „Hilfe“ Erwachsener angewiesen zu sein.

April 08a  April 08b  April 08c
Layla, 2;7 Jahre                  Layla, 3;11 Jahre: Prinzessin    Layla, 3;6 Jahre

Noch weist die Zeichnung von Layla einige Unsicherheiten auf: die asymmetri-sche Kopfform, die Nase mit Querstrich und Schwingkritzel, die übergroßen Augen. Doch nur vier Monate später erscheint der Kopf ebenmäßig. Die De-tails sind mit den zusätzlichen roten Backen auf einfache Zeichen reduziert. Der Kopf der Prinzessin steht als pars pro toto für die gesamte Figur.
Der ebenfalls von Layla stammende Kopffüßler belegt, dass die Entwicklung des Zeichens Kopf/Gesicht isoliert und Parallel zu jener des Kopffüßler verlaufen kann.

 

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