März 2016

 Maerz 01
Layla, 3;7 Jahre: Leute im Flugzeug

Sollen das Flugzeuge sein?

Im September fliegt die Familie in den Urlaub nach Tunesien. Im November entsteht das Bild "Leute im Flugzeug". Wer würde auch nur entfernt an ein Flugzeug denken, der nicht von dem ersten Flugerlebnis Laylas wüsste? Wohl niemand.

Zuerst deutet Layla das Flugzeug mit einem langen blauen Strich an, der quer über das gesamte Format verläuft. Im knappen Abstand darunter zieht Layla einen gelben Strich, mit dem sie die Kontur des Flugzeugrumpfes schließt.
Daraufhin zeichnet Layla die Passagiere zuerst mit rosaroten Kreisen, in welche nacheinander Gesichter eingefügt werden, bei den unteren beiden Kreisen mit blauem Stift, bei den oberen drei mit einem grünen.

 Maerz 02
Layla, 3;7Jahre: Mensch

Dass Layla mit den Köpfen jeweils einen einzelnen Mensch meint, wird mit einer Menschendarstellung aus demselben Zeitraum belegt. Denn der von Layla gezeichnete Mensch besteht aus einem Kopf, an der dessen linker Seite lediglich zwei extrem kleine, grüne Striche abstehen, die Layla als Beine bezeichnet. Es handelt sich also bei der Menschendarstellung in beiden Zeichnungen von Layla um eine Vorform des Kopffüßlers. (> Menschendarstellung/Kopffüßler)

Dass selbst bei den Zeichnungen, die schon erste gegenständliche oder figürliche Darstellungen zeigen, noch immer Kritzelzeichen auftauchen, ist nicht ungewöhnlich. Bei Layla haben die violetten Schwingkritzel, welche die Köpfe auf einer Seite überdecken, jedoch bereits eine inhaltliche Bedeutung: es sind die Sicherheitsgurte, welche die Flugpassagiere angelegt haben.

Schließlich werden über das gesamte Format ausgeschnittene und teilweise gerissene Buntpapiere geklebt. Collagieren fasziniert Kinder außerordentlich. Schon allein das bloße Tun des Schneidens, Reißens und Klebens übt einen solchen Reiz aus, dass an eine gegenständliche Darstellung vorerst nicht gedacht ist. Bei Laylas Bild verhält es sich dagegen anders. Sie meint mit ihren eingeklebten Papieren die Koffer. Dem orangen, dem grünen und dem braunen Koffer fügt sie noch ein kleineres, andersfarbiges Papier hinzu und stattet die Gepäckstücke zusätzlich mit Henkel und Halterungen aus. (Vergleiche damit das Bild des Monats von Johanna, Juni 2013!)

Maerz 03

Ferdinand, 3; 7 Jahre: Boing 747 der British Airway

Auch Ferdinands Zeichnung lässt auf den ersten Blick nicht zweifelsfrei ein Flugzeug erkennen, das jedoch auf den zweiten Blick anhand einiger Details auch ohne zusätzliche Informationen identifiziert werden kann.
Von Flugzeugen ist Ferdinand begeistert, worüber seine Mutter Folgendes berichtet: "Wir sind häufiger schon mit kleineren Flugzeugen geflogen. Meine beste Freundin aus London arbeitet am Flughafen Heathrow und schickt Ferdinand immer Videos von startenden und landenden Flugzeugen, was ihn sehr fasziniert. Kurz bevor Ferdinand dieses Bild gezeichnet hat, war er mit meinem Mann in Hamburg im Miniaturwunderland, seitdem ist die Flugzeugbegeisterung noch größer." In Hamburgs Wunderland gibt es ein Flughafen-Areal mit allen dazu gehörenden Gebäuden, Anlagen und mit Flugzeugen unterschiedlicher Bauart und Nationalität zu bewundern.
Wie bei Layla liegt bei Ferdinand ein Flugerlebnis zugrunde. Bei Layla ist es der Flug in die Ferien. Bei Ferdinand ist es kein bestimmter, sondern bei ihm handelt es sich um einige Flüge nach England, wo seine Mutter aufgrund ihres Studiums gelegentlich Bekannte und Freunde besucht.

Maerz 04


Über das Bild berichtet die Mutter: "Es ist eine 747 von British Airways, die durch die Wolken fliegt, die bunten Striche sind Kondensstreifen von anderen Flugzeugen." Ferdinand ist von diesem Flugzeug stark beeindruckt, das er als "Jumbojet Plane" bezeichnet. Obwohl er nie mit dieser Maschine geflogen ist, handelt es in seiner Zeichnung um diese. Denn die beiden Triebwerke am Flügel verweisen auf eine vierstrahlige Boing 747. Dass es sich dabei um eine britische Maschine handelt, veranschaulicht Ferdinand auf dem Leitwerk am Heck mit dem intensiven Rot der englischen Flagge, die auf den Flugzeugen dieser Fluglinie besonders intensiv zur Geltung kommt.
Wie ist es aber zu erklären, dass Ferdinand nur einen Flugzeugflügel zeichnet? Weiß er denn nicht, wie ein Flugzeug ausschaut? Natürlich weiß er das. Der Grund finden wir in dem Phänomen der Eindrucksdominante. (Siehe Glossar!) Offensichtlich bezieht sich Ferdinands Zeichnung auf die Situation, als er in einem Flugzeug sitzt und die Triebwerke eines Flügels beobachten kann. Sie beeindrucken ihn derart, dass er sie in den Proportionen ihrer Breite und Länge übersteigert. Das Thema der Zeichnung könnte demnach als die Funktion des Fliegens definiert werden. So sind denn auch die Kondensstreifen anderer Flugzeuge oder im übertragenen Sinn der anderen Fluglinien zu deuten. Da von seinem Sitzplatz aus jedoch keine Kondensstreifen zu erkennen sind, die direkt aus den Triebwerken strömen, vermutet Ferdinand diese am Ende des Jets.
Andere Details sind im Gegensatz zum Flügel proportional der Größe des Fluzeugrumpfs angeglichen: Cockpit und Fenster

Die Mutter, als Kostümbildnerin künstlerisch engagiert, berichtet weiter: "Ferdinand durfte zum ersten mal mit meinen Farben malen: Pastellkreide auf Acryl auf Pappleinwand. Er hat die Malpappe komplett alleine mit einer Rolle angemalt und mir auch gesagt welche Farben er möchte." Ferdinand wendet die Pastellkreide sowohl zeichnerisch wie auch malerisch an. Zeichnerisch: Flugzeug und Kondensstreifen; malerisch mit der verwischten weise Pastellkreide: die Wolken.
Die Zeichnungen von Layla und Ferdinand weisen eine Gemeinsamkeit auf. Laylas Motiv ist von der Anfangsphase des Fluges bestimmt. Zum einen hat die Unterbringung der vielen Koffer offensichtlich einigen Aufwand erfordert. Weiterhin war sie von den Sicherheitsgurten beeindruckt. In diesem Fall sprechen wir von der Leitqualität des Erlebens, im Fall von Layla die Situation im Flugzeug. (> Leitqualität des Erlebens) Bei Ferdinand dominiert, wie bereits erwähnt, die Funktion des Fliegens. (>Eindrucksdominante) In beiden Fällen sowohl der Leitqualität wie der Eindrucksdominante liegen starke Gefühle zugrunde, die alle anderen Aspekte und Elemente ausblenden: also nur ein Flügel mit proportionaler Übersteigerung bei Ferdinand, bei Layla die Vernachlässigung des Flugzeuges insgesamt.

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